Reformation weiblich - Frauen prägen Kirche 

Ab dem 31. Oktober feiert die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Schon immer hatten starke Frauen wie Hildegard von Bingen oder Katharina von Siena das Bild der Kirche mit geprägt. Die Reformation stärkte die Rolle der Frauen, die jetzt in der Bibel lasen, als Ehefrauen der gute Geist des Pfarrhauses waren, sich als Kirchenlieddichterinnen betätigten. Luthers berühmtes „Priestertum aller Getauften“ umfasste Frauen und Männer in gleicher Weise. 

Karin Fischer

Katharina Melanchthon  (1497 – 1557)                                                             

Ein typisches Frauenschicksal der Reformationszeit 

Katharina Krapp wurde im Oktober 1497 als Tochter des Gewandschneiders und seit 1494 Bürgermeisters Hans Krapp in Wittenberg geboren. Katharina und Philipp Melanchthon, damals der beste Griechischkenner Europas, waren beide dreiundzwanzig Jahre alt, als sie in den Stand der Ehe eintraten. Hochzeitsgäste waren Luther, Luthers Eltern samt ihren Töchtern und, so Luther weiter, einige „hochgelehrte Männer“, also Kollegenfreunde aus Wittenberg und Leipzig. Luther wollte vielleicht mit der Anwesenheit seiner Familie dem jungen Bräutigam auch das Gefühl der Einsamkeit vertreiben; denn von Melanchthons Familie, die in Bretten wohnte, hatte niemand den weiten Weg nach Wittenberg auf sich genommen. Katharinas junger Haushalt unterschied sich stark von dem elterlichen: Jener basierte auf der „Arbeitsehe“, das heißt, Mann und Frau beteiligten sich beide an der Ausübung des „Berufs“, sei es der Handel, das Handwerk oder die  bäuerliche Arbeit. Ganz anders war die Arbeitsorganisation im akademisch-universitären Haushalt: Hier war ausschließlich der Mann der Ernährer, die Frau hatte sich den 4 K zu widmen (Küche, Keller, Kinder, Kirche). Das waren getrennte Arbeitsbereiche, die bis ins 20. Jahrhundert Gültigkeit besaßen. 

Katharina und Philipp hatten vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne. Besonders belastete die Eltern die unglückliche Ehe ihrer ältesten Tochter Anna mit Georg Sabinus (eigentlich Georg Schuler), einem hochbegabten Schüler Melanchthons. Der spätere berühmte Dichter, geschickte Diplomat und Gründungsrektor der Universität Königsberg war ein hochfahrender Mensch und behandelte seine Frau übel. 

Anfänglich lebte das Paar in einer armen „Bude“, wie Martin Luther bedauernd feststellte. Hier wurden auch alle ihre Kinder geboren. Erst 1536 wurde am gleichen Ort der Grundstein für das schöne Haus gelegt, das bis heute als „Melanchthonhaus“ die Besucher aus aller Welt anzieht.

Vor allem eine Eigenschaft verband Katharina und Philipp Melanchthon: ihre Hilfsbereitschaft. Hierin war sie offensichtlich ihrem Mann sehr ähnlich, der bekannt dafür war, sein Geld mit fast unvernünftiger Großzügigkeit auszugeben und zu verschenken. Bisweilen gab es kein bares Geld mehr im Hause Melanchthon. Später kämpfte Katharina mit großem emotionalem Einsatz dafür, dass sie ihre Enkelkinder aus der unglücklichen Ehe ihrer ältesten Tochter Anna nach deren Tod behalten durfte. 

Wenig ist von Katharina Melanchthon bekannt, nichts Schriftliches von ihr überliefert. In den schriftlichen Zeugnissen ihres Mannes war sie eine glaubensstarke und mutige Frau, die in großer Bedrohung ohne Angst und ohne Hadern mit Gott ihrem Schicksal entgegensah.      Lange Jahre war Katharina Melanchthon von Krankheiten geplagt; 1536 berichtet Melanchthon erstmals von der schweren Leberkrankheit seiner Frau, die bis zu ihrem Lebensende andauerte. Im Februar 1557 starb Katharina im Alter von sechzig Jahren. Die Trauer um seine verstorbene Frau kehrt in manchen Altersbriefen wieder; häufig tröstet er sich mit dem Lieblingsgebet seiner Frau: „Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.“

Karin Fischer, Prädikantin

 

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