Reformation weiblich - Frauen prägen Kirche 

Ab dem 31. Oktober feiert die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Schon immer hatten starke Frauen wie Hildegard von Bingen oder Katharina von Siena das Bild der Kirche mit geprägt. Die Reformation stärkte die Rolle der Frauen, die jetzt in der Bibel lasen, als Ehefrauen der gute Geist des Pfarrhauses waren, sich als Kirchenlieddichterinnen betätigten. Luthers berühmtes „Priestertum aller Getauften“ umfasste Frauen und Männer in gleicher Weise. 

Karin Fischer

Katharina von Schwarzburg   (1509 – 1567)                                                                        entstammte der Adelsfamilie von Henneberg-Schleusigen in der Rhön. Mit fünfzehn Jahren heiratete sie 1524 den Grafen Heinrich XXXII von Schwarzburg. Das Grafenpaar führte zwischen 1527 und 1533 die Reformation in der Grafschaft ein. Nach dem Tod ihres Mannes  1538 wurde Katharina von Schwarzburg das Amt Rudolstadt und Blankenburg mit dem Schloss Heidecksburg als Witwensitz zugesprochen. Hier lebte und wirkte sie bis zur ihrem Tod im Jahr 1567.                                                                                                                             Aktiv bezog die Gräfin zur Reichs- und Religionspolitik Stellung und nutzte dabei die Handlungsspielräume, die ihr innerhalb des Witwensitzes blieben. Nach dem Grundsatz, dass die weltliche Obrigkeit gemäß des allgemeinen Priestertums die Verantwortung für das geistliche Leben übernimmt, setzte sie evangelische Prediger und Lehrer ein und verbesserte die Schulbildung. Mut zeigte die Gräfin in Bezug auf das Augsburger Interim, das nach dem für die Protestanten negativen Ausgang des Schmalkaldischen Krieges als Interims-Reichsgesetz in Kraft trat. Es führte faktisch zur  Wiedereinführung des katholischen Kultes in den reformierten Gebieten. Nur der Laienkelch und die Priesterehe wurden den Protestanten zugestanden. Evangelischen Pfarrern, die das Interim ablehnten und damit in Konflikt mit dem Reichsrecht gerieten, gewährte die Gräfin Zuflucht.                                                                                                                                                 Am bekanntesten wurde die Schwarzburger Gräfin durch das Frühstück mit Herzog Alba und Herzog Heinrich von Braunschweig am 26. Juni 1547 auf dem Rudolstädter Schloss. Dem  Theologen und Historiker Cyriakus Spangenberg (1528-1604) erzählte die Gräfin davon, und er nahm sie in den 1591 erschienenen Adelsspiegel auf. Friedrich Schiller stieß bei seinem Aufenthalt im Sommer 1788 in Rudolstadt auf diese Erzählung und publizierte sie im gleichen Jahr unter dem Titel Herzog von Alba bey einem Frühstück auf dem Schlosse zu Rudolstadt Im Jahr 1547. Das sind die Fakten: Nach der Schlacht von Mühlberg, in der die Verbündeten des protestantischen Schmalkaldischen Bundes eine Niederlage erlitten, zog das kaiserliche Herr von Wittenberg über Halle, Jena und das Saaletal wieder nach Augsburg. Vorsorglich hatte die protestantische Gräfin ihre Untertanen mit Schutzprivilegien ausgestattet und für die Versorgung der durchziehenden katholisch-kaiserlichen Truppen sorgen lassen. Während des kaiserlichen Truppenlagers bei Rudolstadt luden sich Herzog Alba und der Braunschweiger Herzog bei Katharina von Schwarzburg zum Frühstück ein. Als diese während des Frühstücks von Plünderungen hörte, forderte sie energisch »Fürstenblut für Ochsenblut«, wenn der Herzog nicht dafür sorge, dass das gestohlene Vieh ihren Untertanen zurückgegeben werde. Um ihren Ernst zu untermauern, ließ sie bewaffnete Hofbedienstete im Saal aufmarschieren. Die ungeladenen, aber siegreichen Gäste willigten daraufhin ein.                                                                                                 Katharina von Schwarzburg lässt in ihren Maßnahmen erkennen, dass sie Luthers Adelsschrift kannte. Ob sie für ihr Handeln auf Luthers Freiheitsbegriff zurückgriff, bleibt offen. Deutlich wird jedoch, dass sie bewusst als lutherische Regentin agierte.                                                 Was an Katharina von Schwarzburg beeindruckt, ist ihre Zivilcourage, mit der sie den durchziehenden Heerführern entgegentritt, ihr realistischer Blick auf die Lebenswirklichkeit ihrer Untertanen und die Sorge für das Wohl der ihr anvertrauten Menschen. Zugleich scheint ihr Handeln durch den Gedanken der christlichen Freiheit in Verbindung mit den reformatorischen Soli-Begriffen (allein Christus, allein der Glaube, allein die Schrift, allein die Gnade) geprägt gewesen zu sein. Diese Grund-Sätze lassen sie mutig und zugleich umsichtig in der Verantwortung vor Gott und ihrem Gewissen für die Freiheit von der Welt und für die Welt eintreten. 

Karin Fischer

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