500 + Bezirksmitarbeiterfest in Meßkirch 

Vortrag von Fulbert Steffensky am 7.10.2017 in Meßkirch
Fulbert Steffensky - Freiheit und Bindun[...]
PDF-Dokument [310.4 KB]

Reformation weiblich - Frauen prägen Kirche 

Ab dem 31. Oktober feiert die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Schon immer hatten starke Frauen wie Hildegard von Bingen oder Katharina von Siena das Bild der Kirche mit geprägt. Die Reformation stärkte die Rolle der Frauen, die jetzt in der Bibel lasen, als Ehefrauen der gute Geist des Pfarrhauses waren, sich als Kirchenlieddichterinnen betätigten. Luthers berühmtes „Priestertum aller Getauften“ umfasste Frauen und Männer in gleicher Weise. 

Karin Fischer

Auf ein Wort

Ave von Schönfeld  -  Dem Kloster entflohen. (um 1500 – 1541)

Ave (Eva, Eve) von Schönfeld gehörte, gemeinsam mit Katharina von Bora, zu den neun  Nonnen, die in der Nacht vom Ostersamstag auf Ostersonntag 1523 aus dem Kloster Mariathron in Nimbschen flohen. Diese Flucht war eine unmittelbare, konsequente Folge der lutherischen Kritik am Klosterleben. Wir wissen nicht, auf welche Weise die Nonnen in Nimbschen von Luthers Schriften bzw. Argumenten erfuhren. Doch nachdem sie einmal davon Kenntnis hatten, wollten sie ihren Glauben nicht mehr hinter verschlossenen Mauern leben, sondern, wie es Luther gelehrt hatte, ein selbstbestimmtes und tätiges Leben in der Welt führen.                                                                                                                                    Ave und Margarete Schönfeld fanden wohl zuerst im Hause des Malers Lukas Cranach d. Ä. eine Bleibe, in dem Luther ständiger Gast war. Ihr späterer Ehemann, Basilius Axt (1486-1558), hatte in Frankfurt/Oder und an der Universität Wittenberg Medizin studiert (dort wurde er 1521 als Baccalaureus der Medizin aufgenommen). Weil er kein Vermögen besaß, arbeitete er zunächst als Apotheker bei Lucas Cranach d. Ä., und hier lernten sich er und Ave kennen. 

Er wurde Leibarzt Herzogs Albrecht I. von Preußen in Königsberg. Albrecht muss mit Luthers Empfehlung sehr zufrieden gewesen sein. Er unterstützte den Umzug der Familie Axt nach Königsberg. Als Gemahlin des Leibarztes gehörte Ave vermutlich zu dem Kreis auserwählter Personen, die in engerem Kontakt zum herzoglichen Haus standen, zumal Albrechts Gemahlin, Dorothea von Dänemark (*1504), und sie etwa gleich alt waren. Die Herzogin galt als besonders wohltätig und förderte insbesondere die Reformation in Preußen. Engen Kontakt pflegte sie zu den führenden Köpfen der evangelischen Kirche.

Aus der Ehe Aves mit Basilius Axt sind drei Söhne und eine Tochter bezeugt. Nachdem Ave 1541 gestorben war, heiratete Basilius ein zweites Mal. Diese uns unbekannte Frau verstarb jedoch schon 1547. Axt lebte noch bis zu seinem Tode 1558 in Königsberg und wurde in der Kirche zu Löbenicht beigesetzt. Wo seine erste Gemahlin Ave Schönfeld ihre letzte Ruhe fand, ist unbekannt.

Aves Lebensweg steht als Beispiel dafür, dass selbst in Zeiten, als das Schicksal eines Mädchens noch ausschließlich von ihren Vätern oder Brüdern bestimmt wurde, eine junge Frau durchaus auch eigene Entscheidungen treffen konnte. Allerdings mussten dafür bestimmte Umstände gegeben sein. In Aves Fall war es der reformatorische Aufbruch, der den Nonnen, die ihr Leben nicht hinter Klostermauern verbringen wollten, eine völlig neue, bisher nicht dagewesene Perspektive eröffnete. Doch ohne den Mut, die sicheren Mauern zu verlassen und sich auf den gefahrvollen Weg in die Welt, in die Freiheit zu begeben, wäre Aves Schicksal nur eines von ungezählten anderen, hinter Klostermauern verwahrten Frauen geblieben. Aber weil sie entschlossen genug war, selbst über ihr Leben zu entscheiden – und dabei offensichtlich auf andere, gleichgesinnte Mädchen und Frauen im Kloster Nimbschen traf – kennen wir heute ihren Namen. Dass sie nicht nur im reformatorischen Umfeld Wittenbergs, sondern sogar in Luthers privaten Erinnerungen begegnet, hebt sie zudem aus der Reihe der Frauen um Luther heraus, auch wenn wir nur Weniges über sie wissen.

Karin Fischer, Prädikantin evangelische Kirchengemeinde

Ave von Schönfeld Auf ein Wort.pdf
PDF-Dokument [54.0 KB]
Anna Zwingli.pdf
PDF-Dokument [59.5 KB]
Katharina Gerlach .pdf
PDF-Dokument [33.5 KB]
Magdalena von Staupitz.pdf
PDF-Dokument [42.7 KB]
Argrula von Grumbach.pdf
PDF-Dokument [75.1 KB]
Elisabeth Cruciger
Elisabeth Cruciger.pdf
PDF-Dokument [38.5 KB]
Wibrandis Rosenblatt
Wibrandis Rosenblatt.pdf
PDF-Dokument [68.4 KB]
Katharina von Zimmern
Katharina von Zimmern.pdf
PDF-Dokument [62.1 KB]