Vortrag von Andreas Zumach am 11.11 auf der Bezirkssynode Überlingen-Stockach hier downloaden:
Vortrag EU flüchtlingspolitik 9 11 2013[...]
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Kommentar eines Bezirkssynodalen zum Vortrag von Herrn Zumache hier ansehen:
Kommentar zum Vortrag von Herrn Zumach.[...]
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Berichte des Südkurier, Überlingen vom 11.11.2013: 

Evangelische Bezirkssynode beleuchtet Thema Asyl von Hanspeter Walter

Zum Anlass der Herbstsynode beschäftigte sich der evangelische Kirchenbezirk in Überlingen mit dem Thema „Auf der Suche nach Asyl“. Nach einem Besuch der Asylbewerberunterkünfte und Gesprächen mit Flüchtlingen stand am Ende der Aufruf an die Bevölkerung, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Mit ihrem Schwerpunktthema „Auf der Suche nach Asyl“ griff die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenbezirks Überlingen-Stockach am Samstag in Überlingen ein sowohl global wie lokal brandaktuelles Thema auf und beleuchtete es von verschiedenen Seiten. Dies quittierten nicht nur die Synodalen am Ende mit Dank an die Vorsitzenden Gisela Bruszt und Ulrich Aeschbach. Auch zahlreiche Überlinger Bürger bekundeten ihr Interesse, informierten sich über die Situation und hörten sich persönliche Erfahrungen von Asylbewerbern an, die auf engstem Raum untergebracht sind. Am Ende verabschiedete die Synode einen Aufruf an alle Bürger und die kirchlichen Gemeinden, nach Möglichkeit Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Schon vor der Sitzung im Salem College hatten Mitglieder der Synode am Besuch in der Sammelunterkunft in Goldbach teilgenommen und sich einen Eindruck von den Lebensumständen der Flüchtlinge verschafft. Sozialarbeiterin Beatrice Mangold vom Diakonischen Werk, die die Asylbewerber betreut, und mit Rolf Lehmann ein ehrenamtlicher Helfer des engagierten Unterstützerkreises flankierten die Eindrücke mit Erfahrungen aus dem Alltag.

„Wir mussten darum kämpfen, dass wir einen Raum für den wichtigen Sprachunterricht behalten konnten“, erklärte Mangold und Lehmann zeigte am Beispiel der dicht bepackten engen Räume unter anderem die Folgen eines fehlenden Fahrradschuppens auf. Schon in der Unterkunft machte der Synodale Dieter Reimann den verengten Blick auf die Ursache des Flüchtlingsproblems aufmerksam, wenn vorschnell von Missbrauch geredet werde. „Es ist doch auch verständlich, dass Menschen nach besseren Lebensumständen streben“, sagt Dekanin Regine Klusmann. „Jeder hat seine persönlichen Gründe“, bekräftigte Betreuerin Beatrice Mangold, „und es ist nicht meine Aufgabe, diese zu bewerten“.

Zum Auftakt der Sitzung thematisierte Udo Pursche, Prädikant und Geschäftsführer des Diakonischen Werks, in seiner Andacht das Thema Toleranz und Ablehnung, Respekt und Intoleranz. Dabei verwies er auf die so genannte „goldene Regel“ aus der Bergpredigt Jesu: „Behandle andere so, wie du von andern behandelt werden willst.“ Menschen, die selbst einmal Flüchtlinge gewesen seien, könnten dies sicher am besten nachempfinden.

In kleinen Tischgruppen berichteten einige Asylbewerber über ihr persönliches Schicksal, vielfach mit großer emotionaler Betroffenheit. Die Somalierin Nadja, die mit ihrem kleinen Sohn in der Goldbacher Unterkunft wohnt, oder Sana, die mit ihren Eltern aus dem Irak gekommen war, waren immer wieder den Tränen nahe. Sana ist erst seit vier Monaten hier, hatte im Irak nie eine Schule besucht und spricht schon bestens Deutsch. Die 28-Jährige Irakerin war an Kinderlähmung erkrankt, ist seitdem gehbehindert und auf Krücken angewiesen. „Ich wünsche mir daher eine Ausbildung und eine Arbeit, bei der ich sitzen kann“, sagt sie. Aus dem Iran fliehen musste die 33-Jährige Sayna, die als Grafik-Designerin gearbeitet hatte und aufgrund ihrer wachsenden politischen Aktivitäten abtauchen musste. Nur mit einer Flucht auf dem Landweg über die Türkei hatte sie eine Chance, dem Gefängnis zu entgehen. Einer, der sich nach mehreren Jahren schon eine kleine Existenz aufbauen konnte, ist Majid aus dem Irak. „Wir waren im Irak gewohnt hart zu arbeiten“, sagt er: „Und wir wollen auch hier arbeiten.“

Die Berichte der Flüchtlinge gingen den Zuhörern sichtlich unter die Haut. Die Situation hierzulande in einen globalen Zusammenhang stellte schließlich der Journalist und Experte in Flüchtlingsfragen, Andreas Zumach, über dessen Beitrag der SÜDKURIER noch berichten wird.

Dazu ruft die Evangelische Bezirkssynode auf

Folgenden Hilferuf verabschiedete die Synode des Evangelischen Kirchenbezirks Überlingen-Stockach im Rahmen ihrer Herbsttagung am 9. November in Überlingen:

  • „Aufruf im Namen Jesu Christi angesichts der Flüchtlingswelle: Wir suchen dringend Wohnraum für Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften leben.
  • Wir fordern die Verantwortlichen in allen Kirchengemeinden der badischen Landeskirche auf, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.
  • Wir suchen Paten für Menschen, die neu in unserem Land sind und daher Hilfe bei Behördengängen und in unserer Gesellschaft benötigen.
  • Wir suchen Menschen, die Nachhilfe für Kinder anbieten.Wir appellieren an Abgeordnete in den Landtagen und im Bundestag, sich der Flüchtlingsnot anzunehmen.
  • Wir bitten um Spenden für die Flüchtlinge.
  • Wenden Sie sich mit Ihrem Hilfsangebot bitte an das Diakonische Werk in Überlingen!“

Informationen und Ansprechpartner zur Koordinierung von Hilfsangeboten gibt es beim Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Überlingen-Stockach, Christophstraße 31, 88662 Überlingen, Telefon 0 75 51/91 89 90, Internet: www.diakonie-ueberlingen.de

Andreas Zumach kritisiert Abschottung  -   12.11.2013   Von Hanspeter Walter

Die Evangelische Bezirkssynode formuliert Briefe an Abgeordnete zum Thema bessere Lebensbedingungen für Asylbewerber

Mit Appellen an Bundestagsabgeordnete und Landtagsabgeordnete wollen Vertreter der Evangelischen Bezirkssynode Überlingen-Stockach die parlamentarischen Repräsentanten auffordern, sich für eine Verbesserung der Lebensbedingungen von Asylbewerbern einzusetzen. „Wir stellen immer wieder fest, dass es vor allem durch das Arbeitsverbot für Asylbewerber große Probleme in der Betreuung und Eingliederung der Flüchtlinge gibt“, heißt es in einem Brief, der an den Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen (CDU) adressiert ist. Es sei nicht nur problematisch, sondern „auch menschenunwürdig und ökonomisch unsinnig“, dass gesunde arbeitsfähige Menschen „untätig in einer Sammelunterkunft den Tag absitzen müssen“. Die mit dem Arbeitsverbot beabsichtigte Wirkung verfehle ihr Ziel insbesondere bei verfolgten oder vom Hunger bedrohten Menschen. „Wir bitten Sie daher dringend“, heißt es in dem Appell, „sich für eine gesetzliche Änderung einzusetzen, die den Flüchtlingen die Aufnahme von Arbeit erlaubt.“ An die Landtagsabgeordneten wendet sich die Forderung, das Land möge die zuständigen Kommunen und Kreise dazu verpflichten, die Unterstützung ausschließlich als Barleistung auszubezahlen. In manchen Supermärkten würden diese Gutscheine nicht anerkannt. Dies sorge für große Probleme bei der Eingliederung der Flüchtlinge.

Auch widerspreche das Sachleistungsprinzip der „unantastbaren Menschenwürde, die nach unserem Grundgesetz allen Menschen zusteht, egal welches Geschlecht, welche Religion oder Nationalität die Menschen haben“. Der Bodenseekreis zahlt seine Leistungen derzeit zur Hälfte in bar, zur Hälfte in Gutscheinen aus.

Zuvor hatte der Journalist Andreas Zumach die Zahlen und Positionen der deutschen Politik in ein kritisches Licht gerückt. Wer wisse, dass es weltweit 45,3 Millionen Flüchtlinge gebe und dass in zwei Jahrzehnten 25 000 Menschen im Mittelmeer ertrunken seien, müsse die „Abschottung“ Deutschlands mit allen Mitteln als verantwortungslos bezeichnen. Sei es durch die EU-Grenzschützer von „Frontex“ oder durch das Dublin-II-Abkommen, das vor allem Deutschland mit seinen wenigen EU-Außengrenzen schütze.

Von den derzeit 2,8 Millionen syrischen Flüchtlingen müssten die unmittelbar angrenzenden Länder Jordanien, Libanon und Irak die meisten verkraften. Vor diesem Hintergrund und dem dringenden Appell des UN-Flüchtlingskommissariats nannte Zumach das deutsche Zugeständnis einer Aufnahme von 5000 Flüchtlingen „sehr schäbig“. Wobei nach seinen aktuellsten Daten gerade mal 421 registriert worden seien. Ein guter Vorschlag zur Verteilung der Flüchtlinge innerhalb Europas sei von der EU-Parlamentarierin Nadja Hirsch (FDP) gekommen, die die Größe der Bevölkerung und des Bruttosozialprodukts als Schlüssel für ein neues Modell angeregt habe.

(diese Synode und diese beiden Artikel haben übrigens Wirkung gezeigt: Beim diakonischen Werk haben sich 11 Personen gemeldet, die eine Wohnung zur Verfügung stellen könnten, weitere haben ihre ehrenamtliche Mitarbeit angeboten oder technische Ausstattung für Schulung und Unterricht zur Verfügung gestellt – Anmerkung R.Klusmann)